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wir sagen


Wer ist eigentlich wir? "Man stellt Leute in einen Raum, und die teilen sich dann den Sauerstoff". Diese Leute haben also schon mal eine Gemeinsamkeit .und darum geht es bigNOTWENDIGKEIT in "wir sagen". Wer ist eigentlich wir, wer gehört nicht dazu, für welches wir fühlen wir uns verantwortlich, und für welches nicht? Und was meint Judith Butler dazu? Dass ein "wir" ziemlich debattierbar ist, zeigt Esther Becker, wenn sie allein auf der Bühne steht, aber auch aus den Perspektiven ihrer bigNOTWENDIGKEIT-Kolleginnen Anna und Katharina spricht. Drei Meinungen, ein Körper als Sprachrohr. Das ist beeindruckend. Und als sich das Publikum Schuhe und Pullis auszieht, fühlt es sich sogar für einen kurzen Moment als ein ziemlich spezifisches "wir".
Julia Hackober, 100Wort!, 23.02.2013

(...) Esther Becker fragt ausgehend von Diskussionen mit der Gruppe bigNOTWENDIGKEIT das Publikum, ob man beim WIR SAGEN wirklich immer von anderen spricht oder nur von sich selbst. Der sprachspielerisch feinsinnig vertiefte Gedankengang wird begleitet von einer Entkleidungsperformance, an der Esther uns nach und nach, Kleidungsstück für Kleidungsstück, auffordert, teilzunehmen, indem sie für uns spricht: Wir ziehen uns jetzt die Schuhe aus. Jedes WIR gilt für einen anderen Teil der Gruppe, einmal den ganz Mutigen, dann den Mutigen bzw. den eher ängstlichen. Durch unser Tun bestimmen wir, wer wir sind, zu welcher Gruppe wir gehören wollen. Der TD setzt seinem Publikum nicht bloss Schauspieler vor, sondern lässt die Zuschauer erfahren, dass ein Monolog ohne Zutun der Schweigenden womöglich nichts bedeutet.(...)
Franziska Oehme, Artberlin, 28.10.2012

(...)Moral ist momentan ja wieder schwer im Kommen auf dem Theater. Die Kuratoren Heike Pelchen und Michael Müller bezeichnen sie in der Festival-Broschüre zu Recht als "Reizthema". Was auch der Monolog "Wir sagen" der Gruppe bigNotwendigkeit beglaubigt: Für wen kann, soll, will ich Verantwortung übernehmen? Wen meinen wir, wenn wir "wir" sagen? Schauspielerin Esther Becker performt diesen Kollektiv-Diskurs mit fröhlichem Sendungsbewusstsein. Und dann kommt der Moment, wo sich alle die Schuhe ausziehen sollen, um ein "Wir" in Socken zu bilden. Was ausnahmslos jeder mitmacht. Erst später, als es an die Hose geht, scheren die meisten aus der Gemeinschaft aus.(...)
Patrick Wildermann, Der Tagesspiegel, 25.10.2012


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